Die Corona-Verschwörung

„Das Coronavirus wurde von Marsmenschen hergestellt, um den Menschen die Freiheit zu rauben und damit schon daran zu gewöhnen, im „Stall“ zu bleiben. Dann kommen irgendwann die Ufos und die Marsmenschen nehmen die Erdlinge, um sie in Laufrädern erneuerbare Energie auf dem Mars produzieren zu lassen.“

Wieder eine neue Theorie! Aber mal ohne Scherz. Wie kommen die Menschen dazu, sich solche oder noch schwachsinnigere Theorien auszudenken oder zu glauben?

Dies hängt mit der Natur des Menschen zusammen. In uns wirkt ein Mechanismus, der sich in vielen tausenden Jahren in unserem neuronalen System entwickelt hat und für alle Bedrohungen Lösungen sucht.

Dieser funktionierte allerdings nur in einem archaischen und sehr überschaubarem Lebensumfeld. Beispielsweise in einer Eingeborenensiedlung: Wenn mich ein Wolf bedroht, klettere ich auf den Baum oder nehme einen großen Stock und verjage ihn mit lauten Schreien. Wenn ich in der Nähe von Menschen bin, suche ich Zuflucht in der starken Gruppe. Oder wenn ich zu den Orten gehe, wo ich normalerweise meine Nahrung ernte, aber dort bedient sich eine andere Horde. Dann suche ich mir neue Nahrungsquellen oder rotte mich mit meiner Gruppe zusammen und versuche die fremde Gruppe zu verjagen.

Wie aber wird dieser Mechanismus zu einer Verschwörungstheorie?

Nehmen wir ein Beispiel aus dem Fremdenhass:

Ein Mensch mit vollem Kühlschrank, Haus und Einkommen, der im Schutz eines Rechtsstaates lebt, sieht im Fernsehen Menschen, die aus Kriegsgebieten in unser Land strömen.

Er abstrahiert daraus die Bedrohung: Wenn die alle hierherkommen, nehmen die mir mein Haus und mein Essen weg und es ist kein Geld mehr für meine Rente/Hartz IV da, oder mein Arbeitsplatz wird mir von einem Migranten weggenommen. Er wird nun zu einem Angst-Menschen.

Dieser Gedanke ergibt sich sozusagen von alleine. Denn das System in unseren Synapsen hat gelernt, dass jede Veränderung immer eine Bedrohung darstellt. Denn das gegebene System ernährt mich ja.

Nun versucht er gegen diese Bedrohung anzugehen. Umziehen in andere Länder geht nicht. Sind alle schon besetzt. Also zusammenrotten und diese Menschen wieder vertreiben, bleibt die einzige Lösung.

Nun sind diese Menschen aber schutzbedürftig und ohne eigenes Verschulden in Not geraten. Unter diesen Umständen belasten nun den Angst-Menschen Gedanken, die aus dem Gewissen dagegenstehen. Gedanken, die in unserer Welt Gemeingut sind: Christliche Nächstenliebe, Humanitäre Empathie, Barmherzigkeit aus der Leere anderer Religionen oder wertschätzendes Miteinander und Hilfsbereitschaft als hohes Gut der aufgeklärten Kulturgesellschaft.

Der Angst-Mensch muss also diesen Menschen ihre Unschuld und Not nehmen und sie zu bösen Menschen machen. Dann kann er sich zusammenrotten und versuchen, die Regierung davon zu überzeugen, dass man niemandem helfen darf, der böse ist. Er wäre dann im Recht und verteidigt nur seine Rechte. Er muss nur noch die Schutzbedürftigen zu Vergewaltigern, Dieben, Sozialschmarotzern und Drogendealern machen. Dann kann er mit seinesgleichen losschlagen. Wir kennen die Hetze mit solchen Defamierungen leider sogar aus der Boulevardpresse.

Umgesetzt auf die Pandemie ist es ähnlich. Nur kleine Details ändern sich.

Dieser Angstmensch, der keinen Glauben und keine wohlwollende Lebenseinstellung der Nächstenliebe hat, ist gewohnt, den Lebenssinn alleine in der Erfüllung seiner Bedürfnisse zu finden: Schlafen, Essen, Rausch, Geselligkeiten, Feste, Flanieren, Shoppen. Oder auch: sich aus dem Fernsehsessel in den Autositz zu setzen, vom Autositz in den Flugzeugsitz, von dort auf den Restaurantsitz seines Flatrate-Hotels auf Mallorca und zwischendurch auf die Strandliege um den Rausch auszuschlafen.

Nun kommt eine Bedrohung und alle diese seine Lebenshöhepunkte werden ihm genommen. Doch er wird nicht krank! Warum also wird ihm alles verboten? Und ist es nicht die gleiche Regierung, die ihm sein Hab und Gut nehmen wollte um es diesen Migranten zu geben?

Hier ensteht die Ursache für die Angst im Entzug von Befriedigungen der Bedürfnisse. Auch hier signalisiert unser neuronales Belohnungssystem Bedrohung. Doch wie erkläre ich die Urheber zu den Bösen? Die Viren sieht man ja nicht mal. Aber diejenigen, die mir alles verbieten! Der Angst-Mensch kann ja nun nicht Hass schüren, indem er alle davon überzeugt, dass die Politiker ihre ganze Sorge umsetzen und einen Kompromiss zwischen Gesundheit und Rettung von Leben und persönlichen Einschränkungen sowie wirtschaftlicher Nachteile suchen?

Das geht wohl kaum. Zu Dieben und Drogenhändlern kann man sie leider auch nicht einfach erklären. Da kommen dann die Verschwörungstheorien ins Spiel. Die einzige Methode, die Aggression, die in diesen Angstmenschen entsteht, zu rechtfertigen und Hass zu schüren.

Was können wir aber tun? Wir Menschen, die gelernt haben, die Gesellschaft mit gesundem Menschenverstand bzw. im Glauben und nicht mit unseren naturgegebenen Trieben und Ängsten zu interpretieren?

Wir dürfen auf keinen Fall rechtspopulistische oder linksradikale Parteien hofieren oder wählen. Denn diese bedienen genau diesen Mechanismus der Angstmenschen. Würden diese Menschen die Macht über unseren Staat gewinnen, würde der Staat zu einem System werden, der vor allem die primitiven Machtinstinkte dieser Verführer zur Entfaltung kommen lässt:

Korruption, Ellenbogenmentalität, Vetternwirtschaft, Einschüchterung oder gar Vernichtung Andersdenkender und andere schlimme Folgen hätten wir alle dann zu tragen. Und solch einen autokratischen Staat wieder zu einem menschenfreundlichen Rechtsstaat umzugestalten wird sehr schwierig sein, da solche Despoten-Regime die Gesetzte ändern, um ihre Macht zu zementieren.

Also gebieten wir Einhalt. Entgegnen wir allen abstrusen Theorien die Wahrheit. Und zeigen unsere Dankbarkeit, dass wir so sensibel und verantwortungsbewusst regiert werden. Noch! Und hoffentlich bleibt das so.

Ihr Diakon Günter Duvivier