Was will ich, was will Gott?

„Des Menschen Willen ist sein Himmelreich“, heißt es in einem nicht ganz unkritischen Sprichwort. Darin enthalten ist das hinnehmen des Wollens eines Menschen, der auf seinem Willen besteht: Ein Dickkopf. Wenn man unzählige Argumente aufgeführt hat und der andere noch immer auf seinem Willen besteht, dann kann man nichts machen. Mein Vater entgegnete uns Kindern früher dann immer entnervt: Macht doch, was ihr wollt!

Nur weitaus öfter ist es eher ein Problem, sich zu entscheiden. Was tun? Es gibt mehrere Möglichkeiten, eine davon muss ich ergreifen. Spielerich erlebe ich das beim Wandern oder Radwandern. Wohin? Was ist der beste Weg? Welcher führt ans Ziel? Irgendwann muss ich oder die Gruppe entscheiden. Dann muss man mit der Entscheidung leben und die Konsequenzen tragen. Nicht hadern. „Hätte, hätte Fahrradkette“, sagen da nicht nur die Radwanderer, wenn man sich nicht mit seiner Entscheidung versöhnt.

Als Christen glauben wir, dass auch Gott einen Willen hat. Sein Wille ist theologisch gesehen zunächst einmal, dass wir einander achten und durch den Glauben Halt im Leben finden. Aber auf den Lebenswegen, da überlässt er uns scheinbar unserem Willen. Jedoch nicht ganz und gar. Gerade wenn man unterwegs ist, vielleicht auf einer größeren Fahrradtour, nimmt man die kleinen Zufälle war, die wie kleine Hilfestellungen sind, oder auch Verwicklungen, die uns an Grenzen führen und uns dazu nötigen, an der Gelassenheit zu arbeiten. Das Zusammenspiel von Gottes Fügungen und unserem eigenen Willen ist ein großes und abenteuerliches Geheimnis. Mit dem Verstand ist es nicht zu ergründen. Wer es einmal erlebt hat, fühlt sich in seinen Entscheidungen nie mehr alleine. Das ist eine großartige Erfahrung. Gott ist ein Weggefährte unserer Herzen. Er hat die Übersicht und ihm geht es nicht um die Erfüllung aller Wünsche. Ihm geht es um mehr, darum, dass wir reifen und frei werden. Immer mehr zum wahren Leben gelangen und nicht mehr trotzig unseren Willen durchsetzen müssen.

 

Ihr katholischer Diakon Günter Duvivier