Was kann ich glauben? Was kann ich hoffen? Wo stehe ich gerade?

Das sind doch die Fragen, die uns immer wieder unruhig machen. Das Leben ist ein buntes Chaos. Und es scheint schier unmöglich, ein klares, ruhiges und wahrhaftiges Leben zu führen.

Paulus ergeht es da nicht anders. Dabei finden sich bei ihm Glaubensgrundsätze, die nicht hinterfragt werden. Er hat sie in vielen Jahren aufgesogen und sie bilden ein Grundgerüst. Paulus ist ein belesener Schriftgelehrter. Doch Jesus hat ihn zum neuen Glauben bekehrt. Daher mischt er zuweilen Altes mit Neuem.

Da lesen wir im Römerbrief von der erstaunlichen Tat Gottes, dass er seine Liebe dadurch erweist, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.

Bemerkenswert ist dabei, dass er Gott und Christus in eins setzt. Sonst hätte er schreiben müssen, dass er Christus für uns sterben ließ. Dann hätte Christus den Willen Gottes getan. Da er aber Teil Gottes ist, ist es nicht nur Gottes Wille, sondern auch sein Wille.

Gleichzeitig aber gibt es Glaubensrelikte aus dem Alten Testament, in dem er ebenso an die Römer schreibt, dass wir durch das Opfer Christi vor dem Zorn gerettet werden. Wessen Zorn fragt man sich da? Gottes Zorn? Und wenn, warum schreibt er dies nicht? Ganz einfach, weil es unlogisch wäre:

Denn wenn Jesus eins ist mit dem Vater, dann rettet uns Gott durch sein Tun vor seinem eigenen Zorn!

Zorn ist außerdem ein Gefühl. Gott ist Geist und dieser folgt keinen Gefühlen. Im Gegensatz zu Jesus. Der war im innersten erregt und erschüttert beim Tod seines Freundes Lazarus. Und vergessen wir nicht seine emotionale Tat bei der Vertreibung der Händler aus dem Tempel.

Gott hat keinen Körper. Gefühle sind natürliche Signale aus unserem sterblichen Leib. Der Geist aber ist vollkommene Liebe. Diese unterscheidet sich von der naturhaften Liebe. Darum sagt Jesus auch, dass derjenige Gott liebt, der seine Gebote hält. Liebe ist also die Einstellung, die Nächstenliebe auf göttliche Art zu verwirklichen.

Im Lukasevangelium lesen wir, dass Jesus erklärte, nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Jesus ist gekommen, die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten. Sünden werden hier einer Krankheit gleichgesetzt. Die Weisheit besitzt nicht genügend Imunkräfte, gegen das Böse, sozusagen.

Wenn wir ehrlich sind, dann können wir sagen, dass wir uns nicht selbst gemacht haben und dazu keinen Einfluss auf unsere Erziehung und unser Umfeld haben. Wir sind quasi schuldlos in die Sünde geraten. Jeder von uns wäre doch lieber ein vollkommen glückseliger Heiliger, frei von Angst und Fehlern. Voller Frieden und Liebe im Herzen. Ist es da nicht sozusagen Gottes Pflicht, uns zu retten?

Jede Mutter und jeder Vater rettet doch auch seine Kinder, wenn sie in eine gefährliche Situation geraten. Einfach, weil Kinder nichts dafürkönnen, wenn sie auf ein Leiter klettern und noch nicht herunter klettern können.

Bleiben wir bei diesem Bild. Wir Menschen klettern gerne auf hohe Leitern von denen wir nicht mehr hinunterkönnen. Jesus ist sozusagen derjenige, der uns immer wieder hilft, unbeschadet auf den Boden zu kommen.

Ansonsten würden wir hinunterfallen. Im übertragenen Sinne ist es bei der Sünde. Wir brauchen keinen Zorn Gottes. Wir strafen uns nur selbst. Ein gutes Leben belohnt sich und ein böses ist unerträglich.

Gott sieht auf uns, wie auch Schülerinnen und Schüler. So nannten sich ja auch die Jüngerinnen und Jünger. Darum braucht der glaubende Mensch keine Angst vor Gottes Zorn zu haben. Diesen gibt es schlicht nicht. Es geht um unsere Entscheidungen und unsere Fehler. Unser Leben ist sozusagen eine vollkommene Aufgabe zur Erlangung der wahren, göttlichen Liebe. Einer Liebe, die nicht aus den Gefühlen rührt, sondern ein unendlich verstehendes und barmherziges Herz als Ziel hat. Jeder Fehler holt uns wieder ein, solange, bis wir uns ändern. So ändert sich Einstellung auf Einstellung. Zuletzt sogar unsere Sicht auf die Endlichkeit.

Im besten Falle freuen wir uns irgendwann auf den Weg zu Gott. Wenn wir uns darin einüben, leben wir wirklich frei und unbeschwert. Sogar in Zeiten von Pandemie und Gefahren. Denn alles, was unser Leben beendet sind nur Tools. So heißt es in der Computersprache. Alles sind nur Werkzeuge Gottes mit denen er uns einmal abholt zu sich. In die absolute und wahre Liebe.

Letztlich gibt es nur zwei Arten zu sterben: In der Vollendung eines guten und erfüllten Lebens. Oder indem Gott ein vollkommen fruchtloses oder unerträgliches Leben beendet. Äußerlich können wir dies nicht unterscheiden. Denn nur Gott kennt den Menschen als Ganzes. In seinen Prägungen, seinem Willen und seiner Biographie.

Wenn wir das wissen, dann könnte eine Richtschnur unsere innerliche Wahrnehmung sein: Ein gutes Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen. Wenn wir abends gut einschlafen, dann haben wir am Tage wohl alles richtig gemacht.

Darum hat Ignatius von Loyola empfohlen, abends den Tag noch einmal Revue passieren zu lassen. Dann werden wir dankbar und aufmerksam. Besonders wenn wir vielleicht wieder einmal erleben durften, wie Jesus uns mal wieder von einer hohen Leiter geholfen hat.

Ihr Diakon Günter Duvivier