Immer wieder erlebe ich Menschen, die von der Kirche enttäuscht sind, kein gutes Haar an ihr lassen.

Manche schwingen gar mit ihren Leistungen als Ehrenamtliche, oder noch schlimmer, mit ihrer Kirchensteuer als Keule, um ihre Rechte auf vollkommene Erfüllung ihrer Erwartungen und Bedürfnisse an die Kirche und den Menschen in ihr zu untermauern. Als wäre der Glaube ein Geschäft wie jedes andere.  Nur damit kehren wir dem Evangelium den Rücken zu. Jesus hat uns verheißen, dass unsere guten Taten unser Leben selbst erfüllen und unser Leben mit Zuversicht, Freude, Sinn erfüllen, ja sogar bei Gott gutgeschrieben werden. (Lk 6, 29)

Auch ich habe und hatte natürlich Erlebnisse, durch welche verschiedene Menschen in der Kirche und auch die Kirche als Ganzes mich sehr enttäuscht haben.

Kirche bedeutet ja „Die zum Herrn gehören“ das ist das griechische Wort für Kyriakon, woraus das Wort Kirche stammt.

Kirche ist also im Sinne des Wortes nicht nur die katholische Kirche, die evangelische, orthodoxe oder andere Kirchen als Organisation. Kirche ist das Wort für alle Menschen, die an Jesus Christus glauben und versuchen ein christliches Leben zu führen, egal in welcher Konfession. Dies geschieht nicht unbedingt endgültig in der Taufe. Denn sonst brauchte es nicht noch eine Firmung bzw. Konfirmation, in der ich die Taufgnade noch einmal bewusst annehme und in meinem Leben zu verwirklichen beginne.

Dabei bleiben alle Christen, alle Katholiken, Menschen. Wenn ich von Menschen enttäuscht werde, dann, weil Menschen immer wieder enttäuschen können. Niemals werde ich alle meine Erwartungen und Bedürfnisse erfüllt bekommen. Schlimmer noch, jeder Mensch wird sogar durch das Verhalten anderer verletzt. Sei es, dass sie Dinge tun, die mich verletzen oder etwas nicht tun, was sie möglicherweise für mich hätten tun können.

Da geht es um Schuld. Und auch dazu sagt uns Jesus etwas: „Wenn ihr den Menschen ihre Sünden vergebt, dann vergibt euer Vater auch euch die Sünden.“

Ich habe mich irgendwann entschlossen, mit mir selbst und meinen Fehlern barmherzig zu sein, und bitte Gott auch immer um Gnade, denn selbst wenn ich nichts Schlimmes mache, bin ich niemals überall dort, wo ich vielleicht Gutes tun könnte. Und ich habe meine Erwartungshaltung geändert. Ich erwarte nichts mehr von Menschen. Das heißt aber nicht, dass ich sie sozusagen aufgegeben habe. Nein, ich möchte mich einfach nur wieder freuen, wenn jemand mir Gutes tut. So gibt es immer wieder zur Freude Anlass, selbst wenn es sich nur um ein Lächeln oder ein nettes Gespräch um die Ecke handelt.

Auch ich versuche mein Leben in den Dienst Gottes und der Menschen zu stellen. Das aber mache ich nicht mehr für das Ansehen von Menschen. Gott weiß, was ich leiste und kennt auch meine Schwächen. Vor ihm alleine muss ich mich rechtfertigen und damit vor meinem Gewissen. Dabei versuche ich immer Menschen Trost, Hoffnung und Freude zu schenken, und merke dabei sogar ab und an, dass es nicht geschätzt wird, weil die Erwartungshaltung einfach zu groß, ja zu egozentrisch ist. Diese Menschen haben aufgehört, sich über die vielen Zeichen und Gaben der Nächstenliebe zu freuen. Das tut mir leid für sie.

Ich jedenfalls habe seitdem ein sehr gutes Gefühl zu anderen Menschen, zu Menschen, die auch zur Kirche gehören, zu mir selbst. Und wenn ich verletzt werde, dann sage ich es frei heraus. Aber ich versuche es auf wertschätzende Art, in Liebe, nicht als Vorwurf oder Gegenangriff. Sondern mit einer offenen Hand. Ich bleibe bei mir. Z.B. so: „Du, was du da gesagt hast, das hat mir schon weh getan. Hast du das wirklich ernst gemeint oder fühlst du dich nicht gut, macht Dich etwas wütend?“

Über die Kirche zu reden ist eigentlich nur eine Schublade, in die ich Stereotype packe um sie möglicherweise zur Zielscheibe meine Unzufriedenheit zu machen. So wie über die Deutschen, die Migranten, die wie auch immer Gruppe rede.

Uns aber sollte es wie Jesus immer um den Einzelnen gehen und ihn nicht aufgrund irgendeiner Zugehörigkeit zu einer Gruppe, Nationalität oder Religion beurteilen.

Und dann geht es uns wie Gott selbst. Um so besser wir einen Menschen kennen, um so mehr verstehen wir auch seine Einstellung, seine Talente, seine Schwächen. Dann wissen wir, warum Gott alle Menschen liebt und es regnen lässt über Gerechte und Ungerechte.

Ihr Günter Duvivier