Liebe Schwestern und Brüder,

Frühling, Sommer, Herbst und Winter, unsere Jahreszeiten. Diese eigentlich meteorologischen Einteilungsbegriffe unseres Jahres, sind gleichzeitig auch poetische Wörter. Immer wieder bemühen sie die Dichter und Denker, ihre Gedichte und Prosa dort hinein zu verankern. Viele Menschen haben zu den Jahreszeiten ihre Wertungen: Der Frühling steht da ganz oben auf der Beliebtheitsskala. Natürlich verbinden viele den Sommer auch mit Ferien, Erholung und Reisen. Gerade aber im Juni gibt es so einen Tag, der sehr wehmütig machen kann. Der 21. Juni ist der längste Tag des Jahres. Die Fülle des Lebens sozusagen: Licht, Wärme, Zeit ohne Maß. Doch ab hier schon, werden die Tage wieder kürzer. Jetzt geht es Schritt für Schritt auf den Winter zu.

Bei diesen Überlegungen kann man traurig werden. Der Winter hat im Sommer nichts verloren. Die Traurigkeit aber kommt vor allem von den vorauseilenden Gedanken. Denn unser Gedächtnis ist ein geheimer Betrüger. Es gaukelt uns vor, dass Zeit schnell vergeht. Denn ein sich wiederholendes Ereignis, gerade im Jahresrhythmus, schaltet das dazwischen liegende Jahr quasi aus und behauptet: Schon wieder Geburtstag, schon wieder der Urlaub vorbei, schon wieder dies oder jenes Jahrestreffen!

Wenn wir uns aber dieser Vergänglichkeit bewusst werden, dann werden wir betrübt. Denn dies hat immer auch mit Verlust zu tun. Wir verabschieden ja immer wieder geliebte Menschen, geliebte Orte, geliebte Zeiten. Wo geht es hin?

Im Buddhismus ist es daher eine logische Erkenntnis, sich gar nicht erst mit lieben Menschen zu treffen, freudige Vorhaben zu verwirklichen. Denn der Wiedersehensfreude folgt der Abschiedsschmerz. Wir Christen aber nehmen diesen Schmerz in Kauf und haben gelernt, ihn als Leid anzunehmen und im Leben zu integrieren. So ist jeder Abschied und jedes Loslassen auch eine Übung auf das letzte große Loslassen hin. Und dies soll unsere Gewissheit stärken, dass jede geistige Trauer letztlich die unstillbare Sehnsucht nach Gott ist, den wir seit unserer Geburt körperlich verlassen haben und nur im Geiste des Glaubens wahrnehmen.

Also, auf in den Sommer der Freude, der Herbst kann warten, schließlich macht Übung den Meister.

Dies wünscht Ihnen von Herzen

Ihr katholischer Diakon

Günter Duvivier, Bad Wildbad