Kehrt um zum Herrn mit ganzem Herzen

Sich mit Gott zu versöhnen, da klingt schon die Geschichte vom verlorenen Sohn an. Versöhnen heißt, wenn man die patriarchalische Sprache verlässt: zu Kindern werden. Man kann nicht gut als Kind leben ohne die Eltern. Gott kann uns nur Gutes zukommen lassen, wenn wir bei ihm sind.

Ähnlich wie bei den Eltern hier auf Erden, die ihren Kindern nur etwas schenken können, wenn sie mit ihnen überhaupt Kontakt haben.

Dabei stellt sich aber die Frage, warum Gott denn nicht einfach trotzdem Menschen gut sein kann, die ihn sozusagen leugnen oder ignorieren. Das hängt mit dem Göttlichen in uns zusammen. Wenn wir uns Gott zuwenden, dann beginnt der Samen des Vertrauens zu wachsen. Des Vertrauens in unser Leben, in diese Welt in unseren Weg zu Gott. Dann beginnt das Wechselspiel des Gebens und Nehmens und des Lieben und Geliebt sein.

Wir können nichts essen, wenn wir vorher nicht einkaufen gehen. Wie steht es mit der Liebe? Wenn wir uns nicht mit Wohlwollen und Wünschen, mit dem Austausch der Gedanken, mit anderen verbinden, entsteht Distanz. Dann wird uns der Mensch gleichgültig.

Natürlich kann man bei menschlichen Beziehungen einfach die Kontakte ändern. Bei Gott ist das anders. Wir können nicht unser Herz bzw. unsere Seele herausreißen und ohne leben. Wir müssen unsere Seele in der Liebesbeziehung mit Gott ernähren und lebendig halten.

Joël ruft das ganze Volk auf, diese Liebesbeziehung wieder aufzunehmen. Dazu werden heilige Handlungen und Taten aufgezählt, die das Volk wieder zu Gott führen. In einem Wechselspiel von Zweifeln und Hoffnungen führt er sich und allen immer wieder Gottes Barmherzigkeit und Langmut vor Augen. Um am Schluss dann zu resümieren: Warum soll man bei den Völkern sagen: Wo ist denn ihr Gott? Da erwachte im Herrn die Leidenschaft für sein Land und er hatte Erbarmen mit seinem Volk.

Er spricht Gott Leidenschaften zu. Dabei ist es allein Joël, der diese Leidenschaft in sich wahrnimmt und sie sozusagen auf Gott projiziert. Zu sehr sieht Joël sich Gott, seiner Macht und seinen Strafen ausgeliefert. Er muss sich immer wieder selbst vergewissern, dass Gott barmherzig ist. Im Brief des Paulus an die Korinther sieht man nun den Erkenntnisgewinn im Blick auf Gott. Gottes Gnade strömt immerzu in diese Welt zu allen Menschen. Aber man kann sie vergebens empfangen. Das heißt, dass sie erst wirksam wird, wenn man sie ins Herz hineinlässt. Gott ist hier der immer gleiche und unveränderlich liebende Vater. So wie ihn uns Jesus ans Herz gelegt hat.

Umkehr heißt also eigentlich Öffnung. Wie in der Orationshaltung die Hände und das Herz Gott öffnen. Sich ihm wieder überlassen. Sich eingestehen, dass Gnade nicht auf Verdienst oder eigener Vollkommenheit angewiesen ist, sondern immer ein Geschenk an uns ist, die wir seine Kinder sind.

Das ist der große Unterschied, die Erlösung in Jesus Christus. Wir kehren nicht um, damit wir Gott gehorchen. Sondern wir kehren um, weil wir gelungenes und inniges Leben nur dann finden, wenn wir uns Gott ganz überlassen und ihn zu unserem Herz und zu unserer Seele machen.

Dann sind wir mit allen Menschen eine Familie. Dann geben wir Almosen, weil uns das Geben mehr ernährt, als nur uns selbst mit weltlichen Dingen zu beschenken. Wie kläglich ist es, Almosen zu geben, um von Menschen Anerkennung zu bekommen. Wir stehen dann da, wie Kleingeistige, die nicht verstanden haben wer wir sind und wer unsere Mitmenschen sind. Das ist es, was uns Jesus sagen will, wenn er dann bildlich wird: Wenn du Almosen gibst, soll deine linke Hand nicht wissen,  was deine rechte tut, damit dein Almosen im Verborgenen bleibt; und dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.

Und was für die Almosen gilt, um wieviel mehr für das Gebet. Gehen wir also immer wieder aus der Leere dieser Welt in unsere stille Kammer, in der Gottes Gnade immerzu auf uns wartet.

Euer Diakon Günter Duvivier

 

Lesungen dazu am Aschermittwoch:

Joël 2, 12–18

Spruch des Herrn:
Kehrt um zu mir von ganzem Herzen
mit Fasten, Weinen und Klagen!
Zerreißt eure Herzen, nicht eure Kleider,
und kehrt um zum Herrn, eurem Gott!
Denn er ist gnädig und barmherzig, langmütig und reich an Huld
und es reut ihn das Unheil.
Wer weiß, vielleicht kehrt er um und es reut ihn
und er lässt Segen zurück, sodass ihr Speise- und Trankopfer darbringen könnt
für den Herrn, euren Gott.
Auf dem Zion stoßt in das Horn, ordnet ein heiliges Fasten an,
ruft einen Gottesdienst aus!
Versammelt das Volk, heiligt die Gemeinde!
Versammelt die Alten, holt die Kinder zusammen, auch die Säuglinge!
Der Bräutigam verlasse seine Kammer
und die Braut ihr Gemach.
Zwischen Vorhalle und Altar sollen die Priester klagen,
die Diener des Herrn sollen sprechen:
Hab Mitleid, Herr, mit deinem Volk
und überlass dein Erbe nicht der Schande,
damit die Völker nicht über uns spotten!
Warum soll man bei den Völkern sagen:
Wo ist denn ihr Gott?
Da erwachte im Herrn die Leidenschaft für sein Land
und er hatte Erbarmen mit seinem Volk.

 

2 Kor 5, 20 – 6, 2

Wir sind also Gesandte an Christi statt
und Gott ist es, der durch uns mahnt.
Wir bitten an Christi statt:
Lasst euch mit Gott versöhnen!
Er hat den, der keine Sünde kannte,
für uns zur Sünde gemacht,
damit wir in ihm Gerechtigkeit Gottes würden.
Als Mitarbeiter Gottes ermahnen wir euch,
dass ihr seine Gnade nicht vergebens empfangt.

Denn es heißt: Zur Zeit der Gnade habe ich dich erhört,
am Tag der Rettung habe ich dir geholfen.
Siehe, jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade;
siehe, jetzt ist er da, der Tag der Rettung.

 

Mt 6, 1–6.16–18

Hütet euch, eure Gerechtigkeit vor den Menschen zu tun,
um von ihnen gesehen zu werden;
sonst habt ihr keinen Lohn
von eurem Vater im Himmel zu erwarten.
Wenn du Almosen gibst, posaune es nicht vor dir her,
wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Gassen tun,
um von den Leuten gelobt zu werden!
Amen, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.
Wenn du Almosen gibst, soll deine linke Hand nicht wissen,

was deine rechte tut, damit dein Almosen im Verborgenen bleibt;
und dein Vater, der auch das Verborgene sieht,
wird es dir vergelten.
Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler!
Sie stellen sich beim Gebet
gern in die Synagogen und an die Straßenecken,
damit sie von den Leuten gesehen werden.
Amen, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.
Du aber, wenn du betest, geh in deine Kammer,
schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist!
Dein Vater, der auch das Verborgene sieht,
wird es dir vergelten.
Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler!
Sie geben sich ein trübseliges Aussehen,
damit die Leute merken, dass sie fasten.
Amen, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.
Du aber, wenn du fastest, salbe dein Haupt
und wasche dein Gesicht, damit die Leute nicht merken, dass du fastest,
sondern nur dein Vater, der im Verborgenen ist;
und dein Vater, der das Verborgene sieht,
wird es dir vergelten.