Gelassenheit

Loslassen. So waren thematische Angebote einer früheren Kollegin überschrieben. Und dieses Wort hatte quasi eine magische Anziehungskraft. Ihre Angebote waren immer gut besucht. Als Mensch habe ich schließlich immer das Gefühl, dass mich viele Lasten beschweren, dass ich an so vielen sinnlosen Dingen oder Aktivitäten hänge, die mich nur belasten.

Das Grundproblem unseres Lebens ist dabei oft eine innere Unruhe, die immer genau dann kommt, wenn ich mal eine Weile frei sein könnte. Diese Unruhe ist vergleichbar mit einem See, der durch den Wind aufgeraut wurde und bei Windstille eine Weile braucht, bis er ganz glatt ist. Dann wird der See bildlich gesprochen zu einem Spiegel, in dem ich mich erst erkenne.

Man kann nicht einfach stehen bleiben. Man muss erst einmal abbremsen. So wie die Materie ihre Trägheit hat, so hat sie auch unser Körper. In dem Moment, ich dem aktiv bin, befinde ich mich auch in den gedanklichen Bereichen, die ich dazu brauche. Höre ich damit auf, dann muss mein Denken sich in einen anderen Bereich bewegen. Die große Frage ist aber, ob ich dies aktiv beeinflusse, oder ob ich mich von den vielen Gedanken, welche dann kommen, leiten lasse. Wenn ich dies nämlich mache, dann begebe ich mich fast zwangsläufig wieder in eine neue Aktivität. Wenn dies zur Regel wird, dann werde ich unstet und rastlos.

Damit ich aber Loslassen kann, sollte meine Passivität aktiv gestaltet werden.

Konkret habe ich beispielsweise einen Ort, an dem immer mal wieder sitze und einfach nur aus dem Fenster schaue und nichts tue. Einfach einmal die vielen Gedanken ausklingen lassen um dann immer stiller in mir zu werden. Ich spüre, dass mein Leben dadurch klarer wird, überschaubarer und auch freundlicher. Es gibt aber auch Texte, die ich auswendig beten kann und in denen ich den wahllosen unruhigen Gedanken sozusagen das Wasser abgrabe. Ich leite das Wasser des Lebens in meine Seele.

Ich denke, das hat Jesus gemeint, als er der Samariterin am Jakobsbrunnen vom lebendigen Wasser Gottes erzählte, welches hinüberfließt ins ewige Leben. Es gibt sehr viele Wege zu diesem lebendigen Wasser für unser inneres Wachstum. Und als Mensch brauche ich davon einige. Auch Ihnen wünsche ich viele Wege zur Gelassenheit.

 

Diakon Günter Duvivier

Katholische Kirche