Johannes und Maria

Die Osterzeit beginnt. Alle, welche Ostern in ihrem eigentlichen Sinne in den Ostergottesdiensten begangen haben, erinnern sich noch an den Tiefpunkt der Leidensgeschichte Jesu am Karfreitag: Die Johannespassion.

Dort gibt es die dramatische Verabschiedung des sterbenden Jesus von seiner Mutter: Er gibt ihr seinen Lieblingsjünger Johannes zum Sohn und damit seinem Jünger eine Mutter für sein Leben.

Jesus hat seiner Mutter nicht erspart, ihren eigenen Sohn sterben sehen zu müssen. Mehr noch: zusehen zu müssen, dass er auf grauenvollste Weise hingerichtet wurde. So, wie auch wir Menschen nicht vor dem Tod und allen Widrigkeiten des Lebens verschont werden.

Gott hat unser Leben nämlich auf das wahre Leben hin geordnet. So können wir vieles im menschlichen Leben und unserem Leben hier nicht verstehen. So, wie ein kleines Krabbelkind nicht versteht, wenn die Mama ihm verbietet vor der Treppe zu spielen. Es weiß einfach noch nicht was das ist: Stürzen.

Auch Jesu Tod konnte die Mutter nicht verhindern. Obwohl sie doch einmal versucht hat, ihn abzubringen von seinem ungewöhnlichen Weg. Und schon da hat Jesus erklärt, dass alle Menschen, die den Willen Gottes tun, seine Mütter, Väter und Geschwister sind. Seine Mutter aber stand da draußen vor dem Haus und wurde nicht von ihm hineingelassen.

Gott schenkt also auch in diesem Vorleben auf Erden keine unendliche Bleibe oder bewahrt vor Verlust, Krankheit, Verletzungen und Leiden. Vielmehr dürfen wir vertrauen, dass zu jeder Tür, die uns verschlossen wird, eine andere geöffnet wird. Es ist kein Ersatz für das, was vergangen ist. Vielmehr ist es ein Neuanfang. Das Vergangene behält seinen Wert und seine Würde, soll aber nicht unser Leben zerstören. Und darum bedingt Erlösung auch immer ein Loslassen, wenn auch zuweilen ein schmerzhaftes.

So wünsche ich Ihnen, dass Sie stets als gelassene Menschen durchs Leben gehen. Gelassen, weil sie immer bereit sind loszulassen und sich neu auszustrecken, immer dem wahren Leben und unserem Gott entgegen, dessen Liebe allein nie vergeht und der uns immer wieder neue Türen öffnet.

Ihr Diakon Günter Duvivier