Petersdom

Als am vergangenen Freitag Papst Franziskus den Segen Urbi et Orbi, (der Stadt und dem Erdkreis) erteilte, da war die Situation fast wie ein Weltuntergang: Regen, Dunkelheit, der leere Peterplatz. Dann kam der schon sehr gebrechliche Papst mit seinem Zeremoniar aus dem hell erleuchteten Dom und sprach zu uns allen.

Wochen voller hektischer Nachrichten, Kommentare, Berichte, Prognosen, wissenschaftlichen Erklärungen ... und nun unser Papst. Was kann er nur zu allem sagen? Ist Gott nicht angesichts des Weltendramas selbst wie verstorben?

Papst Franziskus drückte seine ganze Verzweiflung und Niedergeschlagenheit in seinen Worten aus. Man spürte, dass er mit uns allen leidet. Im Leiden sind wir alle gleich. Und aus diesem seinem Leiden heraus, da betete er diesen ganzen Schmerz in Gottes Hände. Flehte um Erbarmen und Hilfe, um seine Kraft.

Es war als hätte die Welt mit ihm gebetet, er alles in die vollendetsten Worte gefasst, was die ganze Zeit wie eine Sintflut aufgestaut war an Ängsten und Fragen und Zweifeln.

Und er gab vor Gott zu, dass wir Menschen diese Welt zugrunde richten. Bereicherung, Egoismus, Rücksichtslosigkeit, Gewalt;  "wir haben nicht auf den Schrei der Armen und unseres schwer kranken Planeten gehört die durch unsere Schuld vom Untergang bedrohte Erde". Das Entsetzlichste an dieser unserer Menschheit ist letztlich die scheinbare Hilflosigkeit, mit der wir all diesen schlimmen Geschehnissen gegenüberstehen. Selbst in dieser Zeit, in der es alle trifft, versuchen manche noch zu hamstern, sich zu bereichern, zu betrügen.

Er war fast wie der neben Jesus gekreuzigte Mensch, der um Erbarmen flehte und sich noch die unerträglichen Beleidigungen des Gekreuzigten auf der anderen Seite von Jesus anhören musste.

Ja, es waren die wichtigsten, wahrhaftigsten und ergreifensten Worte dieser Zeit.

Und mir fiel ein, wie mir in einer furchtbaren Situation meines Lebens einmal ein großer Stapel Dokumente auf die Straße hinfiel; und ich darüber  ein lähmendes Gefühl bekam und spürte, wie die Blätter, welche die Kläglichkeit meines Lebens darstellten, wie sinnbildlich über die Straße flogen.

Ja, die Menschheit muss sich bekehren. Wir sind eben nicht nur hilflos. "Bekehrt euch und glaubt an das Evangelium", haben wir am Aschermittwoch gebetet. Diese Krise ist nichts anderes als das Bild unserer Menschheit.

Wir alle wissen, worum es geht. Es geht um einen bescheidenen Lebensstil ohne Flugreisen und Kreuzfahrtluxus und auch um eine natürliche, pflanzliche Nahrung. "Bleibe im Lande und nähre dich redlich!" Wann endlich nehmen wir unsere Tiere als Mitgeschöpfe wahr? Der Heilige Franziskus nannte sie seine Schwestern und Brüder. Essen wir doch gesund und beenden damit persönlich die Massentierhaltung. Zur Zeit wird für die Massentierhaltung eine Fläche von der Größe Afrikas verbraucht. Und täglich schrumpfen die Wälder weltweit um tausende Quadratkilometer. Dabei verschlingt jedes Kilo Fleisch oder Käse das achtfache an wertwoller Nahrung und Anbaufläche, als die viel wertvollere Pfanzenkost. Wie lange kann die Erde das noch verkraften?

Und vergessen wir nicht: Alle Viren, welche uns je bedroht haben, kamen aus der Tierwelt. Sie sind auf uns übergegangen, weil wir die Tiere nicht als Mitgeschöpfe respektiert haben und ihren Lebensraum missachtet haben. Wir haben sie eingesperrt, gequält, gejagt, zur Belustigung in Käfigen gehalten, getötet. Auch der Coronavirus ist von Tieren auf den Menschen übergegangen, nur weil Chinesen Schlangen, Gürteltiere, Fledermäuse jagen, sie missbrauchen, sie töten. Vielleicht hatte Gott schon genug von unserer bestialischen Art.

Kehren wir um! Geben wir den Tieren ihre Würde zurück.

Werden wir geduldige und freundliche Menschen, schaffen wir die Raserei ab. Es gibt keine "Sportwagen". Es sind in Wirklichkeit Raserautos!

Wir, die wir machtlos sind, brauchen nur uns selbst zu ändern. Alle, die Superreichen und Mächtigen, stehen mit einem Bein schon in der Verdammnis, wenn sie nicht ihr Vermögen und ihre Macht zu einem gerechten und friedlichen Miteinander der Menschen einsetzen.

"Lasst uns beginnen, jeder bei sich und mit seinen Möglichkeiten. Gott, hilf uns, erbarme Dich, ohne Dich vermögen wir nichts."

Wir haben wirklich etwas zu verlieren, wir haben keine Wahl. Hier geht es nicht um Meinungen, hier geht es um Mut zur Wahrheit über mich selbst. Denn ein bescheidenes Leben alleine kann die innere Freude nähren. Die äußeren Lustbarkeiten hinterlassen den Menschen wie ausgetrocknet. Wenn wir nicht umkehren, zerstören wir die Zukunft unserer Kinder und nachfolgender Generationen.

 

Ihr Diakon Günter Duvivier