Was macht unser Leben aus?

Diese Frage stellt sich dem Menschen jeden Tag, direkt oder auch indirekt.

Indirekt, wenn man eigentlich nichts aus dem Tag machen kann, außer seine Pflichten zu erfüllen. Es entsteht das Gefühl, gefangen zu sein in den Notwendigkeiten: Arbeit, Termine, Familie, Besorgungen.

Direkt, wenn ich dann endlich einmal Zeit habe und nicht wirklich weiß, was ich mit ihr anfangen soll. Was macht Sinn? Dabei finde ich zwei Grundintentionen in mir wieder. Die eine gibt mir sozusagen Ideen vor, welche Aktivität nun am Sinnvollsten wäre. Die andere ist wie eine schwere Schwelle, die ich kaum überwinden kann. Sie kann auch mit der natürlichen Trägheit bezeichnet werden. Sie verhindert oft, dass ich aktiv werde.

Die natürliche Schwelle könnte dabei die unausgesprochene Frage sein, was denn die ein oder andere Aktivität bringt? Und die darauf unausgesprochene logische Antwort: Nichts! Also lass es doch einfach. Und die Folge könnte sein, dass man am Abend das Gefühl hat, die Zeit verschwendet zu haben. Man wird unzufrieden. Doch es lohnt sich, dieser unausgesprochenen Frage nachzugehen. Denn die Antwort ist nur dann zerstörerisch, wenn mit der Frage die falsche Sicht auf das Leben verbunden war.

Denn: Das Leben bringt tatsächlich nichts. Aber es bringt etwas, zu leben. Nicht Ziele sind der Sinn des Lebens, sondern das Leben ohne Ziele. Doch die „erfüllende Ziellosigkeit“ stellt sich nicht von alleine ein. Ich brauche also Aktivitäten, die mich so in Anspruch nehmen, dass ich nicht über meine Zeit und über Ziele nachdenken brauche. Aber nicht sosehr, dass ich nicht wirklich bei mir bin. Und einer der besten Aktivitäten sind Spaziergänge. Alleine oder in Gesellschaft. Aber nicht nur 5 Minuten. Es sollten schon 1 oder 2 Stunden sein.

Erfülltes Leben ist halt zuweilen so schlicht und unkompliziert, dass wir vergessen haben wie es geht.

Also, bequem anziehen und eine schöne Runde machen, danach sitzt man zwar genauso wieder Zuhause wie vorher, aber zufriedener.

Ihr Günter Duvivier