Sehr geehrte Kirchenbesucherin,
sehr geehrter Kirchenbesucher,

St. Joseph heißt Sie herzlich willkommen und möchte sich mit diesem kleinen Kirchenführer kurz vorstellen:

Wir sind eine kleine Diasporagemeinde bestehend aus ca. 1863 Katholiken (Stand 2001) in einer stark evangelisch geprägten Gegend. Erst spät kam zum Schömberger Dorfbild eine katholische Kirche hinzu. Heute hat sich hier eine aktive katholische Gemeinde etabliert, die – dank ökumenisch denkender Pfarrer – freundschaftlich mit den evangelischen Glaubensgeschwistern zusammenarbeitet und das kulturelle Leben in Schömberg für Gäste und Einheimische entscheidend mitträgt.

Geschichte

Graf Adalbert II. von Calw besiedelt gegen Ende des 11. Jahrhunderts den Wald zwischen den beiden Flüssen Enz und Nagold mit den so genannten Waldhufendörfern. Dabei muss auch die Siedlung Schömberg entstanden sein. Im Jahre 1177 wird Schömberg erstmals in schriftlichen Quellen erwähnt, als Uta von Schauenburg, Gemahlin Welfs VI. und Gräfin von Eberstein, eine Erbtochter der Grafen von Calw, einen Teil der Waldhufendörfer in einer Schenkung an das Kloster Hirsau gibt. 1257 geht das Amt Liebenzell, zu dem auch Schömberg gehört, über in den Besitz der Markgrafen von Baden. Schon 1375 hört man von einer Kapelle mit dem Titel »Unser lieben Frau«, die später zur Kirche ausgebaut und erst im Jahre 1831 beim Bau der heutigen evangelischen Kirche abgebrochen wird.

Die Grafschaft Baden-Durlach wird bereits 1556 der evangelischen Konfession zugeführt und bestimmt so die konfessionelle Zuordnung Schömbergs. 1603 erwirbt der Herzog von Württemberg (Württemberg ist seit 1534 reformiert) das Amt Liebenzell von Baden.

Jahrhundertelang bleibt Schömberg ein kleines Waldhufendorf mit ärmlicher Bevölkerung und ausschließlich evangelischer Konfession. (Interessierten sei an dieser Stelle die Heimatstube, die sich zwischen Kirche und Rathaus befindet, empfohlen.) Eine große Wende ergibt sich für Schömberg als der Erfurter Kaufmann Hugo Römpler im Jahre 1888 durch einen Bekannten nach Schömberg geführt wird und das heilsame Reizklima für sein eigenes Lungenleiden entdeckt. Er kehrt mehrmals nach Schömberg zurück und erwirbt dann schließlich das Gasthaus »HIRSCHEN« als Ferienhaus. Einige Jahre später begründet er darin das erste Kurheim für Lungenkranke »Sanatorium«, dem die »Neue Heilanstalt« und das »Schwarzwaldheim« folgen.

Mit der Begründung des Kurortes kommen Kurgäste aus allen deutschen Gauen, insbesondere aus dem Rheinland und Westfalen, und aus ganz Europa nach Schömberg. Zeitweise sind mehr als 50% der Gäste katholisch, so dass die Einrichtung katholischer Gottesdienste zwingend notwendig wird. Das Direktorium des »Sanatoriums« wendet sich deshalb 1898 an den Königlich Katholischen Kirchenrat in Stuttgart und bittet um Abhaltung katholischer Gottesdienste in Schömberg. Erst in Räumen des »Sanatoriums«, später in verschiedenen privat angemieteten Räumlichkeiten wird zunächst 14-tägig die heilige Messe durch den Pfarrer von Wildbad gehalten. 1911 wird Robert Fischer Stadtpfarrer von Wildbad, der mit viel Energie das Ziel verfolgt, in Schömberg eine eigene katholische Kirche zu bauen. Ab 1913 wird nun zusätzlich zu den Messen an Sonn- und Feiertagen auch wochentags eine heilige Messe gefeiert.

Der 1. Weltkrieg lässt die Zahl der Kurgäste, auch aus dem Klerus, weiter ansteigen. Allmählich entsteht auch durch Ansiedlung eine kleine katholische Gemeinde, die den Bau einer eigenen Kirche fordert. 1916 stiftet ein Kurgast den ersten Baustein, der zusammen mit anderen Zuwendungen von Gästen, Gemeinde und »Sanatorium« einen Baufond von 6.845 Mark erreicht und leider 1918 der Geldentwertung zum Opfer fällt. Doch man lässt sich nicht entmutigen, ruft weiter zu Spenden auf und erwirbt 1925 in der Schwarzwaldstrasse ein Haus, das von Beginn an zu klein ist um Gäste und Einheimische zu fassen.

1927 kommt Stadtpfarrer Fischer seinem Ziel ein großes Stück näher. Der Gemeinderat unter Bürgermeister Gustav Herrmann beschließt der katholischen Gemeinde in Schömberg einen Bauplatz in dem Gewann »Stockäcker« unentgeltlich zu überlassen.

Am 05.07.1929 erfolgt der erste Spatenstich und am 15.09.1929 weiht General-Vikar Max Kottmann den Grundstein zu Ehren des Hl. Joseph. Aus dem Verkauf des 1925 erworbenen Hauses, Zuwendungen von Gemeinde und Sanatorien, Kurgästen und Einheimischen, dem Bischöflichen Ordinariat und dem Bonifatiusverein werden Gelder für den Bau der Kirche bestritten. Dem bekanntesten, aber auch umstrittensten Kirchenarchitekt seiner Zeit, Regierungsbaumeister Hans Herkommer aus Stuttgart, wird der Kirchenbau übertragen, der bis zur Fertigstellung eine Summe von 110.000,– Reichsmark verschlingt.

Am 29.05.1930 wird die Kirche durch Weihbischof Franz Joseph Fischer von Rottenburg geweiht. Schömberg besitzt nun eine eigene katholische Kirche, bleibt aber weiterhin Filiale von Wildbad, die durch den dortigen Pfarrer mitversorgt wird.

Erst 1952 wird Schömberg eine Seelsorgestelle mit einem Kuraten und ab 01.10.1968 eigenständige Pfarrei.

Jahrzehntelang bleibt die Kirche St. Joseph nahezu unverändert. Am 08.06.1975 wird Schömberg mit dem ersten Pfarrer, Herrn Hans Hagenmaier, besetzt. Mit großem Aufwand wird eine grundlegende Innenrenovierung der Kirche begonnen und 1980 zum Abschluss gebracht. Auch außen wird die Kirche mehrmals renoviert (letztmalig 2000 und 2001), bleibt aber unverändert.

Im Jahre 1999 ändert sich die Innenansicht der Kirche nochmals, als man das Kirchenschiff in einen warmen Gelbton taucht und an den Deckenovalen die ursprüngliche Türkis-Farbe freilegt und erneuert.

Heute wird St. Joseph vom Landesdenkmalamt als erhaltenswert erachtet und darf in seiner Bauweise nicht mehr verändert werden.

Umgeben von streng evangelischen Kräften führt die katholische Kirchengemeinde zunächst ein Schattendasein. Auf Initiative von Herrn Pfarrer Hagenmaier entwickelt sich mit den Jahren ein reges Gemeindeleben mit diversen Veranstaltungen und Einrichtungen rund um das Kirchenjahr. Seine Kooperation mit der evangelischen Kirche verhilft der katholischen Kirchengemeinde in Schömberg zu Ansehen und eigener Identität. 1988 wird man den gewachsenen Bedürfnissen durch den Bau eines Gemeindehauses gerecht, das für jedermann offen steht und durch seine gemütliche Atmosphäre sehr einladend wirkt. Mittlerweile haben sich auch die einstigen Sanatorien und Privatheime für Lungenkranke in Kurkliniken und Alten- und Pflegeheime gewandelt.

Architektur und einstige Innenausstattung

Errichtet wurde St. Joseph nach den Plänen des Stuttgarter Kirchenbaumeisters Hans Herkommer, der bereits die katholische Kirche der Nachbargemeinde Neuenbürg und die bekannte Frauenfriedenskirche in Frankfurt erbaut hatte. Seine neue Bauweise durch strenge kubische Formen eine Kirche zu schaffen, die sich in Klarheit und Einfachheit präsentiert, fand unter seinen Anhängern viel Bewunderung. Sie nannten seine Bauten eine „Poesie aus Eisen und Beton“. Kritiker hingegen deuteten die fast asketische Einfachheit oft als Nüchternheit.

Von außen zeigt sich St. Joseph in einfacher, rhythmischer Gliederung. Mit dem fast flachen Dach wollte man sich zunächst dem Dorfbild, insbesondere aber der benachbarten evangelischen Kirche mit ihrem Turm im italienischen Stil, anpassen.

Im Grundriss ist die Kirche 28m lang und 11m breit. Der seitlich angebrachte Turm ist 18m hoch und wird von einem 5m hohen goldenen Kreuz überragt. (Das Kreuz wird in den Abendstunden erleuchtet und setzt einen schönen Akzent im abendlichen Dorfbild. Am besten ist es von den Nebenstrassen unterhalb des Bühl zu bewundern.)

Beim Betreten der Kirche steht sofort der Altarraum im Mittelpunkt. Er ist von überall sichtbar, dank Herkommers neuartiger Bauweise ohne Säulen und Stützen auszukommen. Dazu erstellte Hans Herkommer zunächst ein Stahlskelett, das mit Bimshohlsteinen ausgemauert wurde und dessen Hauptbinder, sowie die Decke, mit Heraklithplatten verkleidet wurden. Der so genannte Stahlskelettbau enthielt zwei starke eiserne Längsbinder statt der bisher bekannten Querbinder. Der zielgerichtete Blick nach vorne wurde durch den Verzicht auf ablenkendes Zierwerk unterstützt. Eine dunkle Färbung der Chorrückwand mit der Inschrift DEIN HEIL BIN ICH neben einem Bild des gekreuzigten Christus verstärkte diese Raumillusion und die schmalen seitlichen Fensterschlitze, ein typisches Merkmal von Hans Herkommer, gaben der Kirche eine gewaltige Höhenwirkung. Die Kombination von Bauweise und Lichtverhältnissen sollte Andacht und Stille ausdrücken. Alle Linien strebten himmelwärts. Die luftige querlaufende Holzdecke, mit Farbe belebt, war frei von der drückenden Schwere anderer Kirchenbauten und lud zum Verweilen ein. Die Fenster – vom Stuttgarter Glasmaler Glücker – dienten nicht nur als Lichtquelle, sondern sollten durch ihre farbliche Flächenwirkung ebenfalls dieses Gefühl der „Schwerelosigkeit“ ausdrücken. Von der einstigen Farbenpracht zeugen heute nur noch die Fenster an der Portalseite.

Die Kanzel war links auf der Höhe des Altares in einem Oval angebracht (heute steht dort der Ambo). Das Oval wiederholte sich in den seitlichen Deckengliederungen, in denen die Beleuchtungskörper als schlanke Zylinder angebracht waren. (Diese wurden durch die heutigen helleren und sparsameren Lampen ersetzt.)

Die beiden Seitenaltäre, links zu Ehren der Mutter Gottes, rechts zu Ehren des Heiligen Joseph und die Kommunionbank waren aus Travertin (Tuffgestein) und trugen Inschriften und Ornamente.

Bei der Weihe der Kirche im Jahre 1930 betonte der Weihbischof in seiner Rede ausdrücklich, wie wichtig für die Gesundung des Leibes auch die Gesundung der Seele sei. Er vertrat die Meinung, dass einer körperlichen Heilung, soll sich längerfristig Erfolg einstellen, die seelische Betreuung vorangehen musste. Und er war überzeugt, dass religiöses Innehalten, Stillewerden, Sich Geborgen fühlen und Aufgefangen sein einen Baustein in jeder Therapie bilden sollten. Heute wird diese ganzheitliche Heilungsmethode als etwas Selbstverständliches betrachtet. Wenn sich auch das Innenleben von St. Joseph seit Hans Herkommer verändert hat, so ist doch die Ausdrucksstärke, die jeden Besucher fasziniert, die gleiche geblieben.

Heutige Innenausstattung

Nach wie vor ist der Blick nach vorne gerichtet, wenn man die Kirche betritt. War man vor dem Portal noch von Betriebsamkeit geprägt taucht man in eine ruhige und andächtige Atmosphäre ein. Eine dezente Lichtverteilung, leise musikalische Untermalung und ein stilvoller Blumenschmuck zur Ehre Gottes unterstreichen, was Herkommer bereits in seiner Architektur auszudrücken versuchte – Einfachheit, die von Ehrfurcht und Würde zeugt – einladend zum Gebet und zum Verweilen; ein Raum zu sich selbst zu finden und sich geborgen zu fühlen. An der Chorrückwand hängt aus Bronze der gekreuzigte Christus der Pforzheimer Künstlerin Gisela Bär. Ebenfalls von dieser Künstlerin gefertigt wurden Kreuzweg und Osterleuchter, sowie Altar, Ambo und Tabernakelstele. Für ihre Steinmetzarbeit hat Frau Bär römischen Travertin bearbeitet. An der Maserung und Färbung des Steines ist zu erkennen, dass alle Arbeiten aus dem gleichen Stück geschaffen wurden.

Links vom Altarraum steht eine schlichte hölzerne Madonna und an der rechten Seitenwand hat der Patron unserer Kirche, der Heilige Joseph, seinen Platz gefunden. Am rechten Beichtstuhl hängt eine Statue der apokalyptischen Maria. Ihre Beschädigung rührt noch vom 2.Weltkrieg her. Sie stand 1945 beim Einmarsch der Franzosen am linken Seitenaltar und wurde durch Granatsplitter getroffen. An der gegenüber liegenden Seitenwand befindet sich eine Statue der Heiligen Theresia, Schutzpatronin aller Kranken, erkennbar an den Symbolen Kreuz und Rose, die besonders von den Heilung suchenden Gästen verehrt wurde. Unter der Orgelempore findet sich das Bild vom gekreuzigten Christus wieder, das Herkommer damals an der Chorrückwand hatte anbringen lassen.

Eine weitere kleine Kostbarkeit unserer Kirche ist in der österlichen Fastenzeit sichtbar, wenn der gekreuzigte Christus im Chorraum durch ein seidenes Fastentuch verhüllt wird. Gefertigt von der ortsansässigen Künstlerin Karin Bukowski erstreckt es sich über die komplette Stirnseite der Kirche und zeigt in einer aufwendigen Batikarbeit in auf den Kirchenraum abgestimmten Farben das Kreuz in der Mitte umgeben von den Geißelungsattributen (von links nach rechts: Lanze, Gewand, Geißel, Nägel, Hammer, Dornenkrone, Würfel, Schwamm, Palmzweig).

Es wurde erstmals am 28.03.1993 ausgestellt und lässt so die seit dem Jahre 1000 nach Christus übliche Tradition lebendig werden, wonach die Altarbilder mit weißen Tüchern verhüllt wurden, um die Augen fasten zu lassen und in Anlehnung an die Schrift „der Vorhang im Tempel riss von oben bis unten entzwei“ das Kreuz an Ostern zu enthüllen.

Von derselben Künstlerin sind auch die Paramente geschaffen, die den Chorraum in der Zeit von Ostern bis Advent zieren.